⦿ Wenn wir das Smartphone in die Hand nehmen, machen wir meist etwas, dass mit Bestätigung zu tun hat – nicht mit Notwendigkeit. Haben wir eine eMail bekommen? Kenne ich die neuesten Nachrichten schon? Hat jemand unsere Posts gelikt? Werde ich mein tägliches Schritteziel erreichen?

Natürlich verwenden wir das Gerät auch für sinnvolle Dinge. Einen Kontakt ins Adressbuch eingeben, einen Termin eintragen, nach der Busverbindung oder nur der Uhrzeit schauen. Aber gerade diese sinnvollen Anwendungen erschweren es uns, auch die andere Seite der Medaille zu sehen und angemessen zu beurteilen. Wenn wir ehrlich sind, ziehen wir das Smartphone weitaus häufiger aus der Tasche, um eine der nicht gerade lebensnotwendigen Apps zu starten: Facebook, Twitter, Instagram. Das ist Smartphone-Sucht.

Ist das schon Smartphone-Sucht?

▣ Die Gefahr dabei ist nicht der sinnlose Stromverbrauch oder die Zeitverschwendung. Sondern die psychische Abhängigkeit von der Bestätigungsmaschine. Es ist im übertragenen Sinne wie bei den Ratten, die für einen Schluck Zuckerwasser jedes Mal einen elektrischen Schlag in Kauf nehmen: wir sind zunehmend abhängig von den Bestätigungen irgendwelcher Systeme. Dabei ignorieren wir den Umstand, dabei eben nicht mit Menschen zu kommunizieren, sondern nur mit Maschinen. Jedenfalls bezogen auf die Likes, nach denen wir schauen: sie sind lediglich ein Zähler, ein Symbol, ein Zustand. Keine zwischenmenschliche Interaktion.

Unser Unterbewusstsein lässt uns nach dem Smartphone greifen, um herauszufinden, ob wir dadurch eine Belohnung erhalten. Werden wir von anderen wertgeschätzt? Sind wir beliebt? Die Unterhaltungsindustrie hält uns vor, ein Leben müsse voller Drama, Liebe und Wahnsinn sein. Ständig Tod, Betrug oder Intrigen. Kein Wunder, dass wir uns minderwertig fühlen und das Leben für langweilig halten. Damit auch ja keine Chance auf eine Bestätigung verloren geht, sind wir online mit Leuten befreundet, die wir lediglich kennen und in der realen Welt niemals mit ihnen Zeit verbringen würden.

Der Begriff soziale Netzwerke ist eigentlich ein Hohn. Denn im Grunde sind diese Netzwerke asozial: sie entfernen uns von den Menschen. Wir gieren nur nach ihren Klicks. Das ist Sucht, Smartphone-Sucht. Da es Facebook und Co letztlich um Klicks auf Anzeigen geht, dauert es vielleicht nicht mehr lange, bis die angeblich so tollen Algorithmen selbstständig unsere Posts liken, damit wir weiter in der Falle der vermeintliche Belohnung durch eine vermeintliche Wertschätzung bleiben. Schöne neue Welt.

Wenden Sie sich an die Landesstelle Suchtfragen in Ihrem Bundesland (z. B. Landesstelle Berlin).